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Das neue Gefangenen Info ist da


Mit Mühe und etwas Verspätung ist vor einigen Tagen das neue Gefangenen Info endlich rausgekommen. Die Zeitung der Gefangenen Angehörigen, die zu Zeiten der Hungerstreiks 1989 der Gefangenen aus der Roten Armee Fraktion RAF als Hungerstreik Info erschien, wird somit auch im seinem 20. Jahr fortbestehen.


Nachdem der ehemalige Herausgeber GNN-Verlag das Projekt mit der 343. Ausgabe im Dezember 2008 aus diversen Gründen stillegen wollte, übernahm eine neue Redaktion - bestehend aus Aktivistinnen und Aktivisten des Netzwerks Freiheit für alle politischen Gefangenen und dessen Freundinnen und Freunden - die Herausgeberschaft und veröffentlichte in der zweiten Januarhälfte mit einigen Anlaufproblemen die 344. Ausgabe der Zeitung.


Aufgrund veränderter Bedingungen, die unter anderem auch den vertriebstechnischen Ablauf betreffen und einige Schwierigkeiten mit sich bringen, rief die neue Redaktion zur Unterstützung des Zeitungsprojektes auf. Nachzulesen unter:

<a href="http://political-prisoners.net" target="__blank">political-prisoners.net


Die neue Redaktion der Zeitung, die ein etwas überarbeitetes Konzept fährt, legte den Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe auf den Prozess gegen die militante gruppe (mg). Der Leitartikel zum Thema wurde auch bereits online veröffentlicht und ist unter folgender Adresse nachzulesen: einstellung.so36.net

Neben dem Schwerpunktthema sind in der aktuellen Ausgabe u.a. Artikel zu Christian Klar, zum §129b-Prozess in Stuttgart-Stammheim gegen die DHKP-C (Revolutionäre Volksbefreiungspartei-Front), zum interntaionalen Symposium gegen Isolation vom 19.-22.12.08 in Wien und auch das politische Dokument der Militanten zum Aufbau der politisch-militärischen Kommunistischen Partei PCpm mit dem Titel "Der Kapitalismus ist die Katastrophe" enthalten. Auch wurde das Info mit einem Newsticker versehen, dass weitere wichtige Entwicklungen in komprimierter Form enthält. Besonders hervorzuheben ist, dass in dieser Ausgabe vermerkt wird, die Adressen der politischen Gefangenen in aktualisierter Form kontinuierlich abzudrucken. Die aktuelle Ausgabe enthält Namen und Adressen politischer Gefangener in der BRD.


Zu den Gründen für die Weiterführung des Projektes erklärte die Redaktion im Vorwort der 1. Ausgabe:

"Für die Weiterführung des Gefangenen Infos sehen wir viele Gründe. Allein die Tatsache, dass die Bewegung in ihrem Kampf für eine Gesellschaft frei von Ausbeutung und Unterdrückung immer der Repression des kapitalistischen Systems ausgesetzt sein wird, spricht für eine Zeitung, die für sich den Anspruch formuliert, die Kämpfe drinnen und draußen zu verbinden. Eine Bewegung darf ihre Gefangenen nicht vergessen, da sonst die Repressionsorgane ihr Ziel, politische Menschen mundtot zu machen, erreicht hätten. Das werden wir nicht zulassen!


Unser Beitrag ist es, die Verbindung von Gefangenen und der Bewegung draußen zu stärken und uns nicht spalten zu lassen! Das Info muss weiterhin die Funktion erfüllen, die Solidarität voranzutreiben. Deshalb ist das Info in diesem Kampf unser Medium, mit dem wir versuchen, Repression drinnen sowie draußen zu thematisieren, den Kampf der Gefangenen zu unterstützen, ihren Alltag hinter Mauern publik zu machen und ihnen eine Informationsquelle zu bieten.

Menschen, die weggesperrt werden, muss die Möglichkeit gegeben werden, am Leben draußen teilzunehmen. Und wir, als Menschen außerhalb der Mauern, müssen uns die Möglichkeiten schaffen, an ihrem Leben teilzunehmen. Alles andere würde bedeuten, dass die Herrschenden ihr Ziel der Isolation durch Wegsperren erreicht hätten! Dem muss sich entschieden entgegengestellt werden!


In den letzten 20 Jahren war das Info immer wieder Ziel von staatlichen Angriffen gewesen, welche 30mal versuchten, die Zeitung mundtot zu machen. Die Tatsache, dass sich sofort eine neue Redaktion gefunden hat, die das Projekt weiterführt, spricht dabei für sich!"


Bleibt zu hoffen, dass das Projekt asureichend solidarische Unterstützung erhält, um den "Fortbestand zu sichern".


Quelle: political-prisoners.net


 

 


Interview mit einem Redaktionsmitglied:

»Das Gefangenen Info ist für viele eine wichtige Quelle«


Nach fast 20 Jahren sollte Heft zur Unterstützung politischer Häftlinge eingestellt werden. Nun geht es doch weiter. Gespräch mit Wolfgang Lettow (langjähriger ­Mitarbeiter beim Gefangenen Info)


Seit fast 20 Jahren informiert das Gefangenen Info über die Situation der politischen Gefangenen in der Bundesrepublik. Mit der Freilassung von Christian Klar sollte das Magazin eingestellt werden. Warum?


Seit seiner Entstehung im Hungerstreik der Gefangenen aus RAF und Widerstand im Frühjahr 1989 wurde das Info, zunächst als Hungerstreik Info, dann als Angehörigen Info und seit einigen Jahren als Gefangenen Info im GNN-Verlag verlegt. Redaktion, Verlag und Info haben in den 90er Jahre rund 30 Versuche der Bundesanwaltschaft überstanden, die Zeitung durch Verfahren mundtot zu machen. Das ist nicht gelungen. Da die Herausgeberin Christiane Schneider seit Anfang 2008 als Mitglied der Linkspartei im Hamburger Landesparlament als Abgeordnete tätig ist, mußte die Verlagsarbeit weitgehend eingestellt werden. Mit der Redaktion ist vereinbart worden, daß das Info bis zur Freilassung von Christian Klar im Verlag fortgeführt und danach eingestellt wird.


Nun ist Christian Klar endlich frei. Bedeutet das tatsächlich das Aus für das Heft?


Nein, das Gefangenen Info ist für viele Menschen eine wichtige Quelle der Information und soll es auch bleiben. Es wird nun vom Netzwerk Freiheit für alle politischen Gefangenen und Einzelpersonen weiter getragen. Eine neue Ausgabe wird es zum kommenden Wochenende geben, wo zahlreiche Menschen der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gedenken und ihren Kampf für eine kommunistische Gesellschaft weiterführen. Vor allem denjenigen, die aus politischen und sozialen Gründen weggesperrt sind, ist es wichtig, da sie auf Grund ihrer Haftsituation von vielen Informationsquellen abgeschnitten sind. Wir danken vor allen den Gefangenen, die sich für das Weiterbestehen des Infos öffentlich einsetzten. Ebenso danken wir allen Leserinnen und Lesern in der BRD, in Europa und den USA für ihre Treue. Das Info wird zukünftig weiterhin alle vier Wochen erscheinen. Digital ist es unter www.political-prisoners.net einsehbar.


Während in den 1970er und 80er Jahren starke Solidaritätsbewegungen mit den politischen Gefangenen existierten, spielt das Thema bis auf die letzten RAF-Gefangenen heutzutage in der politischen Linken offenbar kaum mehr eine Rolle. Worin liegen die Gründe?


Die Frage ist nicht einfach, und ich kann sie nur fragmentarisch beantworten. Wir sind alle mit einer sehr starken Repression konfrontiert. Im Kopf ist uns zwar bewußt, daß die Unterdrückung uns abhalten und abschrecken soll, da die Herrschenden für ihre Kriege nach außen im Innern dafür Friedhofsruhe benötigen. Die Widerstandsbekämpfung im Innern wird also immer weiter ausgebaut und verschärft, um die deutschen Kriegseinsätze - derzeit sind rund 9000 Bundeswehrsoldaten auf dem Balkan, in Afrika, im Nahen Osten und in Zentralasien im Einsatz - abzusichern. Nach dieser Analyse müßte unser Umgang mit der Repression ein offensiver sein: Dem ist aber leider häufig nicht so! Genossinnen und Genossen meiden Prozesse, da sie Angst vor der Erfassung haben. Oder lehnen Kontakt mit verhafteten Gefährten wegen der Erfassung ab, das heißt, sie schreiben und besuchen sie nicht und lassen sie allein.


Was können sie statt dessen tun?


Am wichtigsten für die Gefangenen ist unsere Solidarität. Die Frage für uns ist doch die: Wie können wir unsere Verbundenheit mit ihnen in einer Situation zeigen, die erst einmal durch die Klassenjustiz bestimmt ist. Wichtig ist, daß wir uns nicht von den Repressionsorganen abschrecken und bestimmen lassen, sondern von unserem Bedürfnis nach Solidarität ausgehen. Die Hungerstreikenden der RAF haben das in einer Erklärung so formuliert: »Wenn sich die militante Linke aneignet, was der Imperialismus in seinen Niederlagen immer wieder erfahren mußte: Daß seine Macht dort endet, wo seine Gewalt nicht mehr abschreckt, hat sie das ganze Geheimnis seiner scheinbaren Unbesiegbarkeit aufgelöst.«




Quelle: jW,8.01.2009

 

 

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