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Interview mit der Beatclub-Crew

 

Den Beatclub (inkl. des Vorläufers DubHouseDisco) gibt es jetzt seit fast 12 Jahren. Über diese Zeit hat sich eine Crew an Veranstaltern gefunden, die mit Recht für sich beanspruchen kann, eine Institution in der Dancemusic-Szene geschaffen zu haben, die es in Kaiserslautern kein zweites Mal gibt. Im Beatclub liegt die Wurzel und wahrscheinlich auch die Zukunft der Clubkultur in KL.

Das was den Beatclub darüberhinaus auszeichnet ist, über die Vorreiterrolle hinaus, dass sie mit dem Party machen und organisieren auch einen kollektiven und politischen Anspruch verbinden, der sich in der Art der Organisation und der öffentlichen Aussendarstellung widerspiegelt. Unbeeindruckt von gesponserter, ge“hype“ter aber inhaltsloser Musikbeschallung für Möchtegern-Yuppies und Pulvernasen gibt es noch einiges Anderes. Der Beatclub zeigt, dass mensch sich weder verkaufen und/oder von seinen Idealen abrücken muss, um populär und erfolgreich, über Jahre hinaus klassse Partys zu organisieren und zu feiern.

Also, alles in allem gelebte AndersKultur.

 

DAS INTERVIEW:

 

ANDERSLAUTERN:

sagt mal kurz was zu eurer motivation und geschichte seit über10 Jahren regelmässig beatclub-partys zu organisieren und zu gestalten? wie hat sich der beatclub in den letzten jahren verändert?

 

Meckie Messer Muzak (MMM):

Das Erste was mir dazu einfällt ist das simpelste: Party zu feiern, in einem Rahmen und Umfeld das Spass macht, mit der Musik, die einem reingeht. So simpel das ist, so schwierig ist das auch. In öffentlichen Räumen – ob die nun von der Stadt od. irgendwelchen anderen öffentlichen Trägen gestellt werden – ist das oft mit grossen Restriktionen verbunden. In kommerziellen Läden, kostet allein der Eintritt und der notwendige Konsum von Flüssigkeiten soviel, dass mensch sich das teilweise gar nicht leisten kann. Kurz und Gut: der Kramladen war in dieser Hinsicht, dass beste was uns passieren konnte. Achim und ich hatten vorher mit einigen anderen Leuten versucht, Mitstreiter für ein selbstverwaltetes Zentrum in KL zu finden, und öffentlich die Notwendigkeit für ein solches aufzuzeigen. Ergebnis dieser Aktionen war, dass wir von vielen Leuten mitbekamen, dass sowas schon gerne angenommen würde. Was dafür zu tun, war aber dann doch die Sache der Wenigsten. Unserer Weisheit letzter Schluss war es dann eine Partylocation anzubieten, in der selbstbestimmtes Feiern möglich war, außerhalb von Kommerzkultur und Entpolitisierung. Daraus kommt das, was heute BEATCLUB heisst.

 

fabzze:

Ich bin erst seit knapp 5 Jahren beim beatclub dabei. Hab die Leute über ein paar andere Veranstaltungen kennengelernt und bin dann nach und nach eingestiegen. Am Anfang stand vor allem das Cocktailmischen und natürlich auch trinken ;-) im Vordergrund. Und am Partys organisieren hatte ich schon immer Spaß.

In den letzten Jahren hat sich der beatclub ziemlich gut eingespielt, das meiste läuft fast von allein, aber das Wochenende ist doch komplett verbucht. Das letzte Jahr verlief, nach einer halbjährigen Flaute, wieder super, viele Leute, super Stimmung und fleißig Cocktails mixen. So bleibt auch die Motivation, mit dem beatclub die nächsten Jahre weiterzumachen.

 

Achim:

Seit meinen Schülerzeiten hab ich immer schon gerne Partys organisiert und öfters auf privaten Feten Musik aufgelegt. Dazu kam Anfang der 90er Jahre über die Kuba-Solidarität das Interesse am Cocktail-Mixen dazu. Zusammen mit Carsten, der sich bereits einen breiten Grundstock an Dub und anderen elektronischen Geschichten angelegt hatte, reifte dann die Idee für eine regelmäßige Party im Kramladen der UNI Kaiserslautern. Vor fast 12 Jahren, am 14.12.1995 stieg zum ersten Mal der Beatclub, damals noch unter dem Titel "Dub-House-Disco".

Parallel dazu organisierten wir über den damaligen AStA einige Schul- und Vorlesungs-Schwänzer-Partys, die bereits vormittags begannen.

Außerdem war der Beatclub von Anfang an als nichtkommerzielles Projekt gedacht, um DJs aus dem Bereich elektronischer Musik ein Forum außerhalb der "etablierten" Clubkultur zu bieten. Im Verlauf der Jahre wandelten sich die musikalischen Schwerpunkte von House und Dub über Big-Beat zu Breakbeats (Jungle/Drum` n` bass) und Dancehall/Raggae/Ragga. Aufgrund dieser Entwicklung haben wir die Dub-House-Disco im Jahre 1997 in Beatclub umbenannt.

Fester Bestandteil ist von Anfang an auch die cubanische Cocktailbar der „Tupac Amaru Crew“. Darüberhinaus gab und gibt es Informationen und Solidaritätsaktionen zu aktuellen politischen Themen (Antimilitarismus, Antirassismus, soziale Bewegungen).

 

MMM:

Mit der Mumia Soliparty Ende letzten Jahres, die wirklich Klasse war, auch mit der Veranstaltung zum Widerstand innerhalb der US-Armee davor, ist das politische Element wieder zurückgekehrt, was lange so nicht mehr greifbar war. Auch erinnert gerade die DANCEHALL&REGGAE NIGHT, allein schon durch die Verjüngung des Publikums an die Feten in Autonomen Zentren. Auch wenn sich im BEATCLUB kein organisiertes und politisiertes Publikum sammelt, ist das Freiheitsgefühl und die Lust auf das ANDERE, was ja wohl auch so im Namen der ANDERSLAUTERN-Website steht greifbar. Im Gegensatz zu manchen Jahren in der BEATCLUB-Geschichte, macht's im Moment richtig viel Spass, und es wäre Schade, wenn diese Geschichte nicht so weitergeht. Besser wäre natürlich ein Selbstverwaltetes Zentrum. Wenn sich wieder Menschen aufmachen FREIRÄUME zu erstreiten sind wir dabei bzw. würden sofort umziehen.

 

 

ANDERSLAUTERN:

wie macht ihr das mit der kohle, so eine party zu organisieren kostet ja auch zeit und geld?

 

Achim:

Bei uns wird alles in einen Topf geschmissen und dann unter den Beteiligten aufgeteilt, egal ob Du an der Bar, an der Kasse oder als DJ dabei bist. Und im Vorfeld werden noch Flyer verteilt und plakatiert, was schon einige Zeit in Anspruch nimmt.

 

fabzze:

Der beatclub kennt keine "Chefs" für die die Leute arbeiten und die sich den meisten Teil der Kohle abzapfen. Bei uns gibt es für alle die Abends dabei sind, die gleiche Kohle, egal ob Kasse, DJ´s oder Theke. Wer sich die Zeit noch mit Aufbauen oder Putzen vertreibt, bekommt noch ein wenig obendrauf, die Leute hatten dann ja auch mehr Zeitaufwand. Der beatclub arbeitet aber nicht darauf hin, möglichst viel Gewinn zu machen. Ich hoffe, das merkt man an unseren Eintritts- und Getränkepreisen.

 

MMM:

Das was an den Partys reinkommt, entspricht den Mühen der Vorbereitung und der damit verbundenen Arbeitszeit in keinster Weise. Das wir´s trotzdem machen zeigt ja schon wieviel Spass es auf der anderen Seite auch macht. Vielleicht müssen wir deshalb demnäxt mit den Preisen ein kleines Stück hochgehen, um bei nicht so gut besuchten Partys, die Leute nicht so billig abspeisen zu müssen.

 

 

ANDERSLAUTERN:

es gibt mit sicherheit auch mal schwierigkeiten, z.b. wenn nicht genug leute kommen od. jemand von euch ausfällt. wie geht ihr damit um?

 

MMM:

Wenn die Party nicht ausreichend besucht wird gehen alle nur mit 'nem Taschengeld nachhause. Selbst die DJ's, MC's bzw. Soundsystems kommen dann gerade mal auf ein bisken mehr, als auf ihre Fahrtkosten. Da wir die Kohle auf alle verteilen, die an so nem Abend mitarbeiten, sind für die Musikmacher keine festen Gagen möglich. Da ist es schon klasse, dass trotzdem so viele Freude von außerhalb kommen, um mit uns Party zu machen.

 

Achim:

Es kam immer mal wieder vor, dass weniger Besucher kamen als erwartet. Klar, dann kann sich so eine Nacht ganz schön ziehen. Aber inzwischen läuft es wieder gut, was auch bestimmt an unserer Homepage www.beatclub-kl.de liegt! Und wenn jemand unerwartet ausfällt, dann hilft von der Kasse oder von den DJs mal jemand an der Theke mit. Manchmal haben auch schon Besucher mit etwas Cocktailerfahrung spontan mitgeholfen.

 

fabzze:

Wenn nicht genug Leute kommen ist es vor allem schade, weil die Party nicht so gut wird und wir uns hinter der Theke langweilen müssen ;-) . Ansonsten haben wir meist ein paar FreundInnen, die halbwegs spontan noch einspringen können, falls doch mal jemand fehlt. Und wenn nicht, habt ein wenig Nachsicht, wenn es beim Bedienen nicht ganz so schnell geht.

 

MMM:

Bei den Musikmachern ist das nicht so wild. Notfalls bestreitet Mensch so nen Abend, dann zu zweit, was zwar gerade auch körperlich anstrengend ist, aber doch meistens ohne großen Qualitätsverlust klappt.

 

 

ANDERSLAUTERN:

habt ihr ne vorstellung ob und wie das mit dem beatclub weitergeht? können sich bei euch auch neue leute einbringen?

 

Achim:

Es wäre schon gut, wenn sich mehrere Leute sowohl bei der Vorbereitung (Flyer verteilen, Aufbau), während der Party an der Cockailbar und auch beim Putzen am Tag danach engagieren würden.

 

MMM:

Wie oben schon erwähnt haben wir schon ab und zu nen Arbeitskräftemangel. Wenn wir mehr Leute hätten, die sich hinter die Theke stellen oder Kasse machen würde das Einiges leichter machen. Am Besten wär´s natürlich, wenn das nicht jedesmal wechselt, sondern ein fester Stamm von Leuten verlässlich zusagt z.B. Theke zu machen. Die müssen ja auch angelernt werden, da ein mehr an Leuten ja nicht nicht automatisch heisst, dass es schneller geht.

 

fabzze:

Bei ein paar von uns hat sich in den letzten Jahren das andere Leben stärker gewandelt, so daß es manchmal schwierig wird, sich ein ganzes Wochenende für einen beatclub freizuschaufeln. Von dem her freuen wir uns immer über Leute, die uns unterstützen und bei uns mitmachen wollen. Vielleicht ist in manchen Bereichen auch mal ein Generationswechsel fällig... ;-)

 

 

ANDERSLAUTERN:

gibt es schon besondere planungen für die zukunft?

 

MMM:

Der Mai-Beatclub soll ein Soli-BEATCLUB für die G8-Mobilisierung werden. Wir wollen dadurch in erster Linie auf den Widerstand gegen das G8-Treffen im Juni in Heiligendamm/Meckpomm aufmerksam machen und Leute dazu mobilisieren sich damit Auseinander zu setzen, dass sich diesmal hier in Deutschland die Politiker treffe, die meinen über Krieg und Frieden, die Ausbeutung von Mensch und Umwelt bestimmen zu können. Dort werden mindestens Hunderttausend Menschen aus aller Welt hinfahren um den „Allmächtigen“ die Meinung zu geigen. Das Geld, was an dem Abend reinkommt, soll an Leute gehen, die hochfahren wollen bzw. an Rechtshilfefonds, die Leute unterstützen, die dort von den Bullen abgegriffen werden, und nachher Verfahren am Hals haben.

So wie es im Moment aussieht, gehen wir im Juni mit ner RaggaJungle Night in die Sommerpause. Das könnte ne Verbindung schaffen zwischen der Reggae & Dancehall Szene und den Drum & Bass Headz. Also was für ALLE, die zu uns kommen, um richtig gut Party zu machen.

 

 

ANDERSLAUTERN:

habt ihr auf diesem weg noch was, was ihr den partypeoples sagen wollt?

 

MMM:

Yo, haltet euch frisch .Party feiern und Leben genießen widerspricht sich nicht mit Engagement und Kreativität. Es wäre schön, wenn wir in Lautern nicht die einzigen bleiben, die mit Kollektivität und Spirit Partys und andere Möglichkeiten zusammen zu kommen organisieren. AndersKultur ist Machbar. Wenn der Beatclub irgendwann mal Geschichte sein wird (, auch wenns im Moment nicht so aussieht), hoffe ich, dass es genug Inspirierte gibt, die mindestens genauso klasse Partys machen und organisieren werden.

Stay rude, stay Rebel !!!

 

fabzze:

Macht weiter so, fette Partys und super Stimmung und...

benutzt die Toiletten, wenn ihr noch könnt! ;-)

 

Achim:

Keep on movin`, haltet den Dancefloor weiter so in Schwung:

Fight for your right to party! party for your right to fight!

 

anderslautern, 05/07

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